Einblick „Zukunft Schule vor Ort“
Die gut besuchte Veranstaltung im Sportheim war geprägt durch rege Diskussion unter den Teilnehmern des Fachgesprächs und mit den aktiven Zuhörern.
Unter den Gästen waren Gemeinderäte aus allen drei Gemeinden des Schulverbandes (auch Neuchings Bürgermeister Hans Peis und 3. Bürgermeister Martin Bichlmaier), Kollegen und Mitarbeiter der Schule Finsing, Eltern und Interessierte (Kreisrätin Ulla Dieckmann, 2. Bürgermeister von Wartenberg August Groh)
Ohne Gewähr auf Vollständigkeit haben wir hier für Sie die wesentlichen Argumente der einzelnen Teilnehmer zusammengestellt.
Ganztagsschule:
Rettig: wir arbeiten darauf hin, ab kommendem Schuljahr die Ganztagsschule mit offener Ganztagsbetreuung anzubieten, mit Mittagsbetreuung, Hausaufgabenbetreuung und weiteren Angeboten z.B. im kreativen oder sportlichen Bereich. Kooperationspartner werden derzeit gesucht. Eltern und Schüler haben die Wahl, ob Ganztagsbetreuung oder nicht. Damit können Erfahrungen gesammelt werden und zu einer gebundenen Form der Ganztagsschule entwickelt werden.
Gebundene Ganztagsschule bedeutet, dass sich der Unterricht auch auf die Stunden des Nachmittags verteilen kann.
Kressirer: Voraussetzungen bietet das Gebäude zu guten Teilen bereits, weitere Räume werden geplant.
Güll: ist ebenso von der gebundenen Form viel mehr überzeugt, da die Rhythmisierung des Schulalltags den Leistungsmöglichkeiten der Schüler viel besser gerecht wird. Förderung und Vertiefung sowie Praxis sind gut eingebaut. Aus eigener Praxis als Schulleiter einer Hauptschule mit Ganztagsbeschulung die Erfahrung, dass zwei unterschiedliche Lebensweisen in Schule schwer zu vermitteln sind.
Rettig: konzentriert sich auf das Umsetzbare, das mit einer Schüleranzahl wie in Finsing auch erfolgreich eingeführt werden kann.
Mittelschule:
Rettig: bietet neben den Fachzweigen Wirtschaft, Technik, Sozial auch Kooperation mit Berufsschule und Wirtschaftsschule, sowie Ganztagsangebot und vor allem mittleren Abschluss. Wesentliches Ziel ist, den mittleren Bildungsabschluss direkt in gerader Weiterentwicklung der Hauptschule zu eröffnen, mit dem eine weitere Schullaufbahn möglich ist, sogar die FOS.
Kressirer: Schulstandort Finsing bietet bereits die wesentlichen Elemente für eine künftige Mittelschule, vor allem ab Schuljahr 2010/11 mit dem Ganztagsangebot. Schüler, die sich für den M-Zug entscheiden, fahren bislang nach Erding. Für einen Standort Mittelschule finden Gespräche unter den Bürgermeistern zusammen mit dem Schulamt statt. Details zur Umsetzung sind noch offen.
Oberhofer: Um gute Qualität zu erreichen mit stärkerer Förderung und praxisnaher Berufsorientierung müssen 20 % mehr Lehrerstunden zugewiesen werden. Hier mehr Mittel einzusetzen ist gleichbedeutend mit einer hervorragenden Rendite, weil mehr Schüler erfolgreich ins Berufsleben starten und dort auch bleiben können.
Güll: die hat die Staatsregierung aber nicht vorgesehen.
Oberhofer: Derzeit finden viele Gespräche wie z.B. runde Tische, auch mit Arbeitgebern statt, um die Inhalte der geplanten Mittelschule festzulegen. Das ist eine Chance für die Aufwertung der Hauptschulstandorte.
Kressirer: Großes Problem ist die mangelnde Planungssicherheit. Einer Studie, die der Ausschuss Bildung und Kultur des Landkreises in Auftrag gegeben hat, geht für Finsing von einem demografischen Rückgang von derzeit 200 Schülern auf circa 130 im Jahr 2020 aus. Er fürchtet, dass der Hauptschulstandort dann nicht mehr überlebensfähig sei.
Güll: fordert Schulreform, sieht die derzeitigen Planungen als nicht ausgereift. Plädiert dafür, erst alle Voraussetzungen geduldig zu prüfen, um dann die Mittelschule erfolgreich umzusetzen.
Große Anteilnahme aus dem Publikum!
Eine rege Beteiligung im Diskussions-Teil des Abends mit Fragen und eigenen Beiträgen bereicherte die Diskussion.
Elisabeth Fuß (3. Bgm Finsing): Sind denn die Lehrer dafür ausgebildet? Und: Gibt es dann auch das passende Lehrmaterial wie Schulbücher, oder dürfen wir das gleiche Chaos wie beim G8 erwarten?
Antwort Rettig: Die Ausbildung der Grund- und Hauptsschullehrer ist so angelegt, dass sie die Schüler auch bis zu einem mittleren Bildungsabschluss führen dürfen.
Manuela Schulze: die Arbeitgeber glauben nicht an den mittleren Schulabschluss. Hier ist noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten.
Ulla Dieckmann (Kreisrätin): die R6 hat zum Ausbluten der Hauptschulen geführt.
Wolfgang Hansjakob (Schulleiter eines Gymnasiums in München): aus einer Grundschule in München wechseln von 100 4.-Klässlern dieses Jahr 98 ins benachbarten Gymnasium. Die allgemeine Erfahrung zeigt allerdings, dass nur ungefähr die Hälfte der 5.-Klässler das Abitur erfolgreich abschließt.
Rettig: die damit verbundene Demotivation der Schüler hilft keinem. Die Mittelschule könnte dagegen eine Chance gerade für Spätentwickler sein, einen höheren Bildungsabschluss zu erreichen.
Allgemeiner Tenor aus den Publikumsbeiträgen:
mit einer gemeinsamen Schulzeit bis einschließlich 6. Klasse würde den Kindern gut tun, zb die soziale Kompetenz stärken, da viele von den guten Schülern lernen können. Auch die örtliche Verbundenheit würde verbessert werden.
Des Weiteren: Es fehlt den Eltern aber die Zuversicht in Perspektiven der Hauptschule. Dieses Akzeptanzproblem muss gelöst und die schulischen und beruflichen Möglichkeiten sichtbar gemacht werden.
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